24/10/2026 0 Kommentare
Zwischen glühenden Farben und Nebelschleiern
Zwischen glühenden Farben und Nebelschleiern
# 2.1 Orgelwinter Geltow

Zwischen glühenden Farben und Nebelschleiern
Die junge, aus Slowenien stammende Organistin Zala Ažbe kommt auf Vermittlung von Prof. Silvius von Kessel. Sie hat in Slowenien, Deutschland und Österreich studiert und sich bei internationalen Wettbewerben einen Namen gemacht. Sie spielt Werke aus vier Jahrhunderten und stellt auch einen zeitgenössischen Komponisten vor.
In seinen sechs Orgelsonaten hat Felix Mendelssohn Bartholdy am Ende seines Lebenswerks und auf dem Gipfelpunkt seines Ruhms auch als fantastischer Orgelspieler eine thematische Sammlung von teilweise bereits früher komponierten Stücken erstellt, „in denen ich meine Art, die Orgel zu behandeln und für dieselbe zu denken und niederzuschreiben versucht habe“. Diese 1844/45 entstandenen Stücke sind keine Sonaten im strengen Sinn, sondern eher Suiten. In ihrer Vielfältigkeit – choralartige, liedhafte, polyphone und virtuose Stücke wechseln einander ab – sind sie ein wahres Kompendium des romantischen Orgelspiels.
Die vierte Orgelsonate ist im Jahr 1845 zuletzt entstanden und entspricht am ehesten dem formalen Aufbau der viersätzigen Sonatenform. Mendelssohn verzichtet hier auf einen zugrundeliegenden Choral und wählt eine freie, zyklische Anlage mit suitenartigem und fantasiereichem Charakter. Im - einem festlichen Präludium ähnlichen - ersten Satz wechseln zwei Themen ab: Das erste prägen aus der mitteldeutschen Toccata bekannte Sechzehntelketten. Das zweite ist fugenartig mit einer marschartigen Rhythmik angelegt.
Das Andante religioso ist ein lyrisches Charakterstück, ein „Lied ohne Worte“ auf der Orgel, dessen Überschrift eine Andachtsstimmung erzeugen soll.
Der dritte Satz, ein charakteristisches Intermezzo, erinnert an ein Perpetuum mit ununterbrochenen Bewegungsabläufen.
Im groß angelegten kraftvollen und virtuosen Finale führt Mendelssohn die barocke Fugenform in einen hochromantischen Kontext, ohne die formale Strenge zu verlieren. Die hymnische, akkordisch gehaltene Einleitung mündet in eine freiere, fast symphonische Coda am Schluss.
Mendelssohns fünfte Orgelsonate in D-Dur ist eine Suite in barocker Tradition. Im ersten Satz kann man im fünfstimmig gesetzten fingierten Choral die Melodie von „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ entdecken. Es folgt ein Andante con moto im 6/8-Takt in h-Moll und ein imitatorisch gesetztes Allegro Maestoso in D-Dur.
Johann Gottfried Müthel war einer der letzten Schüler Johann Sebastian Bachs und mit dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach befreundet. Er lebte zuletzt in Riga und gilt als Vertreter des sog. empfindsamen Stils und des Sturm und Drangs in der Musik. Seine Fantasie in g-moll zeigt expressive Wechsel, Kühnheit in der Harmonik und starke emotionale Ausdruckskraft.
Die Fantasie und Fuge G-Dur führte J. S. Bach 1720 im Rahmen der Bewerbung um die Stelle des Organisten an der St.-Jakobs-Kirche in Hamburg auf. Während eines über zweistündigen Konzerts stellte er sein Können als Organist unter Beweis und versetzte sein Publikum in Staunen. Zu den Zuhörern gehörte auch der ehemalige Organist Reincken, die graue Eminenz der Hamburger Musikszene, der Bachs Improvisationskunst wie folgt lobte: „Ich dachte, diese Kunst sei ausgestorben, doch ich sehe, dass sie in dir weiterlebt.“ Doch Bach hatte eigentlich nicht vor, die freie Stelle anzutreten. Allerdings hatte er wahrscheinlich ein Auge auf die Stelle des Kantors an der St.-Johannes-Schule in Hamburg geworfen, die in Kürze frei werden sollte. Letztendlich wurde Telemann auf diesen Posten berufen, und nicht lange danach erhielt Bach eine ähnliche Anstellung in Leipzig.
Die atemberaubende Fantasie beginnt als völlig freie Improvisation, entpuppt sich dann aber als rhetorisches Argument. Überwältigende, eher bedrohliche Passagen wechseln sich ab mit gemessenen, präzisen Einwürfen. Alle Register werden geöffnet, von chromatischen Läufen bis hin zu allerlei überraschenden harmonischen Wendungen, die schließlich vom Pedal abgerundet werden. Die folgende virtuose Fuge scheint eine zusätzliche Hommage an den alten Reincken zu enthalten, der in Deventer geboren wurde, da ihr Thema von einem fröhlichen niederländischen Lied, „Ik ben gegroet van“, aus der Sammlung „Oude en Nieuwe Hollantse Boeren Lieties“ abgeleitet ist. Die von dem Stück geforderte flinke Fußarbeit führt es zu seinem festlichen Höhepunkt.
Peter Felix Planyavsky ist ein zeitgenössischer österreichischer Organist, Komponist und in Wien lehrender Hochschullehrer. Seine Toccata alla rumba ist 1971 geschrieben worden, um ein Mitbringsel auf einer Reise zu haben. In ihr ist ein Kirchenlied verborgen „Nun danket all und bringet Ehr“.
Das Konzert endet mit Bachs Präludium D-Dur, BWV 532, das in der Weimarer Zeit entstanden und auch unter dem Titel “Piece d’Orgue” überliefert ist. Bach verbindet Elemente aus der norddeutschen Orgelschule, der französischen Musik und der Corelli-Ära Italiens. Das dreiteilige Werk beginnt mit virtuosem Pedaleinsatz. Es folgt ein lang ausgesponnener alla-breve-Mittelteil im italienischen Stil und mündet in ein fünfstimmiges Adagio mit Doppelpedal und leidenschaftlicher, an harmonischen Überraschungen reicher Rezitativik.
Sie hören Texte zur Jahreszeit und sind im Anschluss an das Konzert in der beheizten Kirche herzlich zum Umtrunk und Austausch eingeladen.
Literatur: Wikipedia, Martin Weyer: Die deutsche Orgelsonate von Mendelssohn bis Reger
https://www.bachvereniging.nl/en/bwv/
Irene Pfeiffer
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