28/07/2026 0 Kommentare
Leipziger Meisterwerke – Reise durch die Epochen
Leipziger Meisterwerke – Reise durch die Epochen
# 3.1 Orgeljahr Sprengel

Leipziger Meisterwerke – Reise durch die Epochen
Leipziger Meisterwerke – Reise durch die Epochen
Der junge Student Reimar Apel begeisterte im 1. Orgelwinter in Geltow sein Publikum u.a. mit Orgelimprovisationen im Blues- und Jazzstil und zeigt nun mit einem klassischen Programm und eigenen Improvisationen sein Können an der Caputher Orgel.
Er beginnt mit einer Orgelfassung des Violinkonzerts D-Dur “Grosso Mogul” (RV 208) von Antonio Vivaldi, das J.S. Bach in seiner Weimarer Zeit transkribiert hat. Der erste lebhafte Satz lässt fünf Tutti und vier Soloabschnitte miteinander abwechseln. Hier setzt sich Bach mit dem italienischen Stil auseinander.
O Mensch, bewein dein Sünde gross ist ein lutherisches Kirchenlied zur Passionszeit. Bach verwendet für sein Choralvorspiel aus dem Orgelbüchlein eine Hymne aus dem Jahr 1525, entwickelt sie langsam und verziert sie kunstvoll. Dabei geht es um das Vermitteln von Affekten und der Bedeutung des Textes.
Der erste Satz der Trio Sonate in e-Moll BWV 528 war ursprünglich der Eingangssatz der Bachkantate Nr. 76 und kammermusikalisch besetzt. Er erinnert an die französische Ouvertürenform.
In seinen Orgelsonaten hat Felix Mendelssohn-Bartholdy am Ende seines Lebenswerkes und auf dem Gipfel seines Ruhmes auch als fantastischer Orgelspieler eine thematische Sammlung von teilweise bereits früher komponierten Stücken erstellt, “in denen ich meine Art, die Orgel zu behandeln und für dieselbe zu denken niederzuschreiben versucht habe”. Diese 1844/45 entstandenen Stücke sind keine Sonaten im strengen Sinn sondern eher Suiten. In ihrer Vielfältigigkeit – choralartige, liedhafte, polyphone und virtuose Stücke wechseln einander ab - sind sie ein wahres Kompendium des Orgelspiels.
Die erste Sonata I in f-Moll für Orgel, Opus 65 ist konventionell als Sonatenzyklus komponiert. Im ersten Sonatenhauptsatz wird als Seitenthema der Choral “Was mein Gott will, das g`scheh allzeit” eingeführt. Romantische Melodik mit Echowirkungen prägt den liedhaft - lyrischen zweiten Satz, der das Choralthema umspielt. Der 3. Satz ist ein Rezitativ. Ein kanonisch eingesetztes Motiv im Piano wechselt mit kurzen, homophonen Fortissimo-Akkorden in rethorischer Weise ab. Der brilliante und virtuose Schlusssatz beginnt mit einem siebentaktiken Thema aus Arpeggien, Läufen und gebrochenen Akkorden und steigert sich zum feurigen Schluss mit kaskadenartigen Läufen im Pedal und chromatisch aufsteigenden Sequenzen-Ketten im Manual.
Das Benedictus von Max Reger ist im Jahr 1901 in Weiden entstanden und ein ruhiges, lyrisches, leises und sehr ausdrucksvolles Orgelstück.
Während Regers Kompositionstechnik im Barock liegt und insbesondere seine Kontrapunktik auf Johann Sebastian Bach fußt, steht er klanglich in der Tradition von Brahms und Liszt. Er hat einen hohen technischen Anspruch. „Meine Orgelsachen sind schwer, es gehört ein über die Technik souverän herrschender geistvoller Spieler dazu.“
In seinen Improvisationen spannt Reimar Apel über u. a. George Gershwin und Kurt Weil den Bogen bis ins 20. / 21. Jahrhundert.
Ein Ostinato ist ein sich stetig wiederholendes musikalisches Motiv oder eine Bassfigur. Der slowakische Komponist Štefan Németh-Šamorínsky war Domorganist in Pressburg. Sein Ostinato aus der Partita profana per organo solo ist 1961 entstanden und verbindet im neoromantisch-modernen Stil strenge ostinate Figuren mit expressiven und romanzenhaften Zügen.
Das Konzert endet mit Introduction und Passacaglia in d-moll von Max Reger. Sie wurden 1899 für das Schönberger Orgelalbum komponiert. Der im hessischen Dorf Schönberg im Taunus tätige Organist Ludwig Sauer plante um die Jahrhundertwende an seiner Kirche den Bau einer neuen Orgel und bat zur Finanzierung zahlreiche Komponisten um einen unentgeltlichen Beitrag. Reger sprach von einem “Werkchen”, das “absichtlich nicht schwer sei” und komponierte doch ein kunstvolles Stück.
Literatur: Wikipedia, Martin Weyer: Die deutsche Orgelsonate von Mendelssohn bis Reger
Irene Pfeiffer
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